Partnerschaftsprojekt mit Alajuela (Costa Rica)    

Von ersten kulturellen Kontakten um 2001 führte der intensive freundschaftliche Austausch zwischen der Stadt Lahr und der Stadt Alajuela   in Costa Rica 2006 zu einer offiziellen Städtepartnerschaft. Trotz   einer Entfernung von 9.338 km werden die städtepartnerschaftlichen   Kontakte seither mit vielfältigen Aktivitäten lebendig gehalten.  

„Die   wichtigen Zukunftsthemen Umwelt- und Klimaschutz sowie Klimaanpassung betreffen Lahr und Alajuela, darum möchten wir zum gegenseitigen Nutzen   unser Wissen und unsere Erfahrungen austauschen“, erklärten die   Bürgermeister beider Kommunen beim Beitritt zur Kommunalen Klimapartnerschaft.

Als   gemeinsame Handlungsfelder wurden der Schutz der Wasserressourcen, die   Optimierung der Abfallwirtschaft und die Verbesserung der Lebensqualität  des städtischen Raumes identifiziert. Ein weiteres Thema ist die  Kommunikation und Sensibilisierung zu Klimathemen.



Wasserwissen weitergeben

Mit Förderung des Bundesministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wird von 2016 bis 2018 das Projekt „Nachhaltiger Schutz der Trinkwasserquellen für die Bevölkerung von Alajuela durch Aufforstung und Umweltbildung“ umgesetzt (Budget 240.575,40 €, Förderung BMZ 89,78%, Eigenmittel Alajuela 10,22%). Das Projekt soll sowohl einen Beitrag zum Schutz des Waldes, zum Biodiversitätserhalt und zum Klimawandel als auch zu einer verbesserten Versorgung und Umgang mit Trinkwasser leisten.      

Die Trinkwasserversorgung von Alajuela beruht überwiegend auf ein paar ungeschützten Quellgebieten in den Ausläufern der benachbarten Vulkangebiete. Durch eine Aufforstung der Gebiete sollen der Boden, das Grund- und das Quellwasser besser geschützt und der ursprüngliche Lebensraum Bergregenwald langfristig wieder hergestellt werden. Zusätzlich soll der Bevölkerung der wichtige Grundsatz „Grundwasser = Quellwasser = Trinkwasser = Lebensmittel Nummer Eins“ durch Umweltbildungsmaßnahmen in Theorie und Praxis näher gebracht werden.    

Die Projektleitung auf deutscher Seite hat die Stabsstelle Umwelt und in Alajuela die Abteilung Wasser und Abwasser. Inhaltlich wird das Projekt umgesetzt von der Ökologiestation Lahr und in Alajuela gemeinsam von der Universidad Nacional Costa Rica und der Universidad Técnica Nacional. Und unterstützt wird das Projekt vom Freundeskreis Alajuela – Lahr e.V.     

In einem zweiwöchigen Workshop im Oktober 2016 in Lahr wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit Wasser und der Umweltbildung erörtert. Auch wurden erste Ansätze entwickelt, wie man die Themen Wasser, Biodiversität, Ökosystem Wald und Klimawandel der Bevölkerung in Alajuela und Lahr in Theorie und Praxis näher bringen kann. 

Diese Themen wurden im März 2017 in einem zweiwöchigen Workshop in Alajuela vertieft. Hier wurde auch gemeinsam an den Materialien für die Multiplikatoren-Ausbildung gearbeitet. Nachdem die thematischen und inhaltlichen Inhalte erarbeitet wurden, wurden die Materialien gestaltet.

Auf deutscher Seite wurden die Materialien im Juli 2017 einem erstem Praxistest von Multiplikatoren unterzogen und ab September 2017 für weitere Fortbildungen genutzt.

Projekthintergrund  

Costa Rica (CR) ist ein stabiles Land in Zentralamerika mit einer positiven Entwicklung (Informationen des Auswärtigen Amtes zu CR, Informationen der GIZ zu CR, Projekte der GIZ in CR). Als Schwellenland hat es einen guten Entwicklungsstand, aber auch noch große soziale Unterschiede. Ökotourismus ist für Costa Rica eine wesentliche Einnahmequelle, daher legt die Regierung einen besonderen Wert auf Umwelt- und Klimaschutz. Unter anderem möchte Costa Rica bis 2021 in der Energieerzeugung treibhausgasneutral sein.    

Die Stadt Alajuela berücksichtigt das nationale Klimaziel in seiner lokalen Agenda in Übereinstimmung mit dem kantonalen Entwicklungsplan von 2012 zur Verringerung der Umwelt- und Klimabelastung und zum nachhaltigen Schutz von Klima- und Umwelt. Alajuela liegt im zentralen Hochland auf 1.000 Meter Höhe in der Subtropischen Zone. Die rund 43.000 Einwohner verteilen sich in der Kernstadt auf einer Fläche von 8,8 qkm.    

Ob in Alajuela oder in Lahr, die Auswirkungen des Klimawandels sind messbar und für den Menschen vor Ort erlebbar. Und einige der Folgen sind ähnlich: Verschiebung der Temperatur- und Vegetationsgrenzen, Einschränkungen der biologischen Vielfalt, Bodenerosion durch Starkregenereignisse.    

Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden in Alajuela viele Flächen gerodet, um das Holz zu nutzen und/oder um die Flächen für andere Zwecke zu nutzen. Damit ging in diesen Bereichen die große Artenvielfalt des Bergregenwald verloren. Außerdem konnte der Niederschlag dadurch schneller abfließen, was zu Erosionsschäden führte und zu geringerer Grundwasserneubildung.     

Die Trinkwasserversorgung von Alajuela erfolgt durch Nutzung der Trinkwasser-quellen in der Umgebung. Die Trinkwasserquelle sind bis heute für jedermann zugänglich und ungeschützt vor Beeinträchtigungen und Verschmutzungen.

Das Wasser der Trinkwasserquellen wird gefasst, teilweise aufbereitet und dann über Trinkwasserleitungen an die Haushalte von Alajuela verteilt. Zuständig für die Trinkwasserversorgung ist die Stadtverwaltung von Alajuela und übergeordnet das Instituto Costarricense de Acueductos y Alcantarillados (AYA)

Der nachhaltige Schutz der Trinkwasserversorgung der Bürger von Alajuela ist ein wichtiges Ziel der Stadtverwaltung von Alajuela. Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung sollen die Trinkwasserquellgebiete mit Zäunen vor unberechtigten Zutritt und vor anthropogenen Beeinträchtigungen und Verschmutzungen geschützt werden.   

Mit der Erstellung und Abstimmung eine Konzeptes zur naturnahen, vielfältigen und standortgerechten Aufforstung und Pflege der Trinkwasserquellschutzgebiete und der anschließenden Pflanzaktion wird die Basis gelegt für die langfristige Entwicklung eines stabilen und naturnahen Bergregenwaldes mit einer großen Biodiversität. Außerdem wird dadurch der Boden vor Erosion und anderen Beeinflussungen und Beeinträchtigungen geschützt und kann seine Funktionen als Speicher, Filter und Puffer wieder besser erfüllen.

Das aus den geschützten und bepflanzten Trinkwasserquellschutzgebieten gewonnene Trinkwasser ist langfristig sauberer und hygienischer und gut geeignet zur Versorgung der Bevölkerung von Alajuela.  

Mit Bildung für nachhaltige Entwicklung soll gleichzeitig der Bevölkerung in Alajuela und Lahr die Themen Wasser, Biodiversität, Ökosystem Wald und Klimawandelfolgen in Theorie und Praxis näher gebracht werden. Dazu werden gemeinsame Bildungsmaterialien erstellt und in Alajuela und in Lahr Multiplikatoren ausgebildet.     

Mit der Einbeziehung der Bevölkerung bei den Pflanzaktionen und der anschließenden Pflege sowie durch umweltpädagogische Aktionen von Multiplikatoren für die Bevölkerung wird das Bewusstsein für den Wasserkreislauf, den Wald und die Biodiversität und den Einfluss der Menschen darauf geschärft und zu nachhaltigen und verantwortungsbewussten Handeln angeleitet und ermuntert.    

Mit diesem Projekt der Entwicklunsgzusammenarbeit möchten Lahr und Aljuela auch für andere Kommunen mit ähnlicher Problemstellung eine Vorbildfunktion einnehmen und auch Ihr Wissen weitergeben.

Bild Impressionen

  • Erstes offizielles Projektfoto an der Escuela de Tuetal Sur
  • Gemeinsame Umweltbildungseinheit in Alajuela, Escuela de Tuetal Sur
  • Gemeinsame Umweltbildungseinheit in Alajuela, Escuela de Tuetal Sur
  • Besichtigung einer Ananasplantage
  • Besichtigung einer Ananasplantage
  • Vorbildliche Quellfassung, Naciente Los Chorros , Quelle des Flusses
  • Leidender Fluss: Rio Segundo mit ungeklärtem Abwässern
  • Gemeinsame Arbeit an Umweltbildungsmaterialien
  • Besuch einer Kaffeeplantage, im Hintergrund Kaffeesetzlinge
  • Kokoswasser, Ananas, Papaya, Melone, trad. Frühstück
  • Quelle in Alajuela
  • Workshop-Teilnehmende in Lahr


Materialien

Im Rahmen des Partnerschaftsprojekts wurden zwei Bilderbuch-Broschüren erstellt, jeweils in deutsch und spanisch, die sich auf leichte, kindgrechte Art und Weise mit dem Thema "Klima" beschäftigen. Diese können stehen hier zum Download bereit.



Außerdem gibt es noch weitere Arbeitsmaterialien (Memory, Themenkarten, Tier- und Pflanzenkarten) die Themen wie Landwirtschaft, Trinkwasser, Abwasser, Biodiversität, Klimawandel und Wasserkreislauf aufgreifen. Auch diese Materialien stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung. 


Weitere Informationen zum Projekt und Kontaktadressen    

Stadt Lahr, Stabstelle Umweilt (Projektträger/-leitung)

Ansprechpartner: Manfred Kaiser [E-Mail] [website]

Freundeskreises Alajuela – Lahr e.V. (kultureller Austausch und soziale Projekte)

Ansprechpartner: H.-D. Ritzau [E-Mail] [website]

Ökologiestation Lahr (Projektpartner)

Ansprechpartner: Antje Kirsch und Jörg Streib [E-Mail] [website]


Interessante Links und ergänzende Informationen

Projektförderung über Engagement global [website]

Projektpartner Technische Universität Costa Rica [website]

Projektpartner Nationale Universität Costa Rica [website]

Auswärtiges Amt Deutschland - interessante Länderinfos [website]

LIPortal Costa Rica Das Länder-Informations-Portal [website]

conservation-development.net (website)

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